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50 Jahre OLG Chur: Rückblick verschiedener Trainerinnen des NWK GR/GL

Was ist wohl der Grund, dass das Nachwuchskader GR/GL die letzten 18 Jahre immer von weiblichen Trainerinnen geleitet wurde? Haben sich die Ansprüche an die Trainer*innen und auch die dazu benötigten Kompetenzen in dieser Zeit stark verändert? Vielleicht kann der anschliessende Bericht von den ehemaligen Cheftrainerinnen Gabriela Diethelm und Annetta Wenk sowie der amtierenden Trainerin Véronique Ruppenthal auf diese Frage eine Antwort geben ...

Gabriela Diethelm:

Übernommen haben Caroline Wegmüller und ich das Kader mit knapp zehn Athlet*innen Ende 2001 von Claudio Wetzstein. Sein Vorgänger war meines Wissens noch unter dem Label «Nachwuchsgruppe» von Rolf Wulli Wullschleger.

Im ersten Trainingslager zusammen mit den Aargauern in Fontainebleau südlich von Paris griff uns «der alte Hase» Claudio zusammen mit Claudia noch tatkräftig unter die Arme. Ohne Claudios Fahrkünste hätten wir die Trainingsgebiete in den wunderbaren Sandsteinfelsen des Forêt de Fontainebleau wohl nie gefunden ... Rückblickend ist es interessant, dass aus eben dieser verschworenen Truppe später die nächste Generation Nachwuchskadertrainer*innen mit Annetta Schaad, Corina Lütscher und Martin Wehrli entsprungen ist.

Um unseren Athlet*innen Vergleichsmöglichkeiten mit gleichalterigen Konkurrent*innen bieten zu können, suchten wir die Zusammenarbeit mit diversen andern regionalen Nachwuchskadern. Soweit ich mich erinnern kann, waren wir einzig mit den Romands nie an einem gemeinsamen Lager oder Weekend (dies wurde dafür unter Annetta und Martin fleissig nachgeholt).

Im 2003 feilten wir ganze zehn Tage zusammen mit den Ostschweizern und den Tessinern an unserer OL-Technik im Neuenburger Jura. Dort entstand die symbiotische Freundschaft mit den „Amici Ticinesi“ und daraus resultierten zahlreiche gemeinsame Lager an der Côte d’Azur, mehrere Male im Tessin, im Baselland und sogar in Felsberg. Im letzten Jahr meines Trainerinnen-Daseins war das Bündner-Tessiner-Gespann am O-Ringen sogar zelten und anschliessend eine Woche im legendären Lunsen in Uppsala auf intensivster «Postensuche».

In Schweden waren wir schon zuvor im 2005 mit den Nordwestschweizern, welche die Athleten sowohl im technischen als auch im läuferischen Bereich entscheidend vorwärtsbrachten. Vielleicht war dies mit ein Grund, dass die Herrenstaffel des NWK GR/GL am Jugendcup auf den 3. Rang laufen konnte!

Erstaunlicherweise ist mir persönlich das nationale Lager in Tenero im Jahr 2004 mit 200 Teilnehmer*innen nicht mehr so präsent, wie die zwei Wochen in Asiago mit nur drei Athleten. Mehr von diesem speziellen Lager kann man im Bericht von Philipp Sauter nachlesen.

Neben Trainingswochen und -weekends u. a. in Davos, San Bernadino, Solothurn und Deggendorf (D), kann ich mich insbesondere an unsere Teilnahmen an der Staffetta SELE, oder an spezielle Kaderanlässe wie Skiweekends, Swiss-O-Gala oder an den Halloween-OL erinnern. Unvergessen blieben neben verschiedenen Medaillen an Schweizermeisterschaften von den Gebrüdern Sauter und Véronique natürlich auch die beiden Silbermedaillen von Philipp Sauter an den Junioren-Weltmeisterschaften im Trentino.

Auf Stufe Regionalkader steckte die Professionalisierung des OL-Sportes noch in den Kinderschuhen. Neben dem Konzept OLMU wurde ich als persönliche Betreuerin von Philipp Sauter mit den ersten Auswertungsdiagrammen, dem Vorläufer vom T-Pak (heutiges Planungs- und Auswertungstool der Kader) konfrontiert. Schriftliche Konzepte und mentale Übungen waren bekannt, aber jedes Kader versuchte sich mit etwas Eigenem. Ich konzentrierte meine zur Verfügung stehende Zeit auf die vielen organisatorischen, finanziellen und OL-technischen Herausforderungen und war froh, als mir im 2006 Annetta helfend unter die Arme Griff.

Annetta Wenk:

2006 übernahm ich zusammen mit Martin Wehrli das Nachwuchskader. Im ersten Jahr half uns Gabriela noch tatkräftig mit und erleichterte uns damit den Einstieg ins Traineramt. In den folgenden Jahren unterstützten uns auch Monica Pfister und Corina Lütscher. In guter Erinnerung blieben mir der Slowenien-Trip 2007, unser Osterlager 2009 im Elsass, das gesamtschweizerische Lager 2010 in Vaumarcus sowie der zweiwöchige Schweden-Aufenthalt zusammen mit den NWK NOS 2011.

In dieser Zeit wurde der Nachwuchsbereich immer professioneller. Einerseits wurde dies von Swiss Orienteering getrieben, andererseits aber auch von Swiss Olympic. So wurde 2009 das PISTE-Konzept für die Kaderselektionen eingeführt (PISTE heisst «Prognostische integrative systematische Trainer-Einschätzung»). Das ist ein gesamtheitliches Selektionskonzept, welches nicht nur die Wettkampfleistung berücksichtigt, sondern den Athleten als Ganzes anschaut. Grob gesagt soll damit nicht derjenige selektioniert werden, welcher in der vergangenen Saison der Bessere war, sondern derjenige, welcher in zwei oder fünf Jahre der Bessere sein wird, also das grössere Potential hat. Bei PISTE entsteht am Schluss der Saison eine Rangliste, welche auch heute noch für die Selektionen ins Juniorenkader, ins Regionalkader und auch in die Talentgruppe verwendet wird.

Ein weiterer Professionalisierungsschritt in dieser Zeit war die Digitalisierung im Bereich des Trainingstagebuchs und der Athleten-Betreuung mit dem Online-Tool T-Pak (www.t-pak.ch). Seit nun 14 Jahren wird dies bei allen Regionalkadern eingesetzt. Die Athleten können online ihre Trainings planen und eintragen. Die Trainer und persönlichen Betreuer können das Trainingstagebuch online einsehen und ihre Athleten mit Kommentaren unterstützen. Was heute nicht mehr so speziell tönt, war vor 14 Jahren doch noch ein grösserer Schritt vom Papier ins Internet.

Auch in die Trainerausbildung wurde investiert. Viele NWK-Trainer absolvierten nicht nur den «Verbandstrainerkurs», sondern liessen sich von Swiss Olympic zum Berufstrainer ausbilden. Entsprechend wurden auch immer mehr NWK-Trainer zu einem kleinen Pensum als Trainer angestellt. Dies ermöglichte es, im Hauptberuf das Pensum zu reduzieren, damit die doch zeitintensive Aufgabe des NWK-Trainers nicht mehr immer nur in der Freizeit erledigt werden musste.

Véronique Ruppenthal:

Nach Annetta wurde das Nachwuchskader während vier Jahren von Mix Sieber geleitet. Da sich nach ihrem Rücktritt 2016 keine Trainernachfolge finden liess, schloss sich das NWK GR/GL dem Zentralschweizer OL-Nachwuchskader (ZesOLNak) an – nicht, wie oft angenommen, wegen zu wenigen Athleten, sondern eben, weil bei den Bündnern damals die Trainer fehlten. Ein Jahr später, im Herbst 2017, bin ich dann als Trainerin dort eingestiegen. Da ich auf Stufe Nachwuchskader noch keine Trainererfahrung hatte, war ich froh, in ein bereits funktionierendes, mehrköpfiges Trainerteam einzusteigen, und nicht allein ein Kader zu übernehmen. Mittlerweile bin ich Cheftrainerin in diesem Team.

Die Kooperation mit dem ZesOLNak hat sich in den drei Jahren, in denen ich nun dabei bin, bewährt. Wir sind ein gemeinsames Trainerteam von sechs bis sieben Personen, die sich die Aufgaben aufteilen. Auch die Athleten werden als ein gemeinsames Team von rund 30 Personen betrachtet. Es ist also nicht so, dass ich als Trainerin aus Graubünden nur für die Bündner Athleten zuständig wäre.

Überlegungen, die beiden Kader wieder zu trennen, gibt es immer wieder und es wird unter den Trainern von Jahr zu Jahr entschieden, wie weitergefahren wird. Wir kamen jedoch auch diesen Herbst wieder zum Schluss, dass die Zusammenarbeit für alle Beteiligten zurzeit mehr Vor- als Nachteile bringt und wir sie darum noch weiterführen werden. Mir selbst liegt es dabei am Herzen, auch extern aufzuzeigen, dass nicht nur die Bündner, sondern eben auch die Zentralschweizer davon profitieren.

Die besten Erinnerungen habe ich (bis jetzt) an die Trainingslager im Engadin, in Südostfrankreich und im österreichischen Imst. Neben den grossen Zusammenzügen mag ich es aber auch, die Athletinnen und Athleten individuell im Zusammenhang mit dem täglichen Training zu Hause zu betreuen und ihnen dafür Tipps zu geben. Und wenn die Antwort dann in Form vom Erreichen guter Resultate – oder auch einfach individuell gesetzter Ziele – kommt, bestätigt dies meine Arbeit auf die schönste Art und Weise.