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42. SIMM Flumserberg - Eine Grenzerfahrung

Als uns Chris Ende Februar 2017 ein OLG-Chur-Mail geschrieben hat, worin er uns allen eine Teilnahme am Swiss International Mountain Marathon (SIMM) schmackhaft machte, musste ich nicht lange überlegen. Das Format, die Bergwelt, OL und Abenteuer mit einander zu verbinden faszinierte mich schon lange, nur hab ich es noch nie zu einer Teilnahme gebracht.

Am SIMM muss in 2er-Teams gelaufen werden. Da meine Freundin schwanger ist und der Geburtstermin Mitte September 17 ist, kam sie als Teammitglied nicht in Frage. So fragte ich mein Bruder Vivian. Anhand der angegebenen Leistungskilometern für die verschiedenen Kategorien und dem Studium der Bahnen vom Vorjahr, entschieden wir uns für die Kategorie 1. Diese ist mit 55 - 65 Leistungskilometer über beide Tage angegeben. Uns war zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass es lang und hart werden wird, aber machbar sein sollte. Für diese Grenzerfahrung braucht es den passenden Teamname „Go hard or go home“.

Gut 5 Monate später, 1 Woche vor dem SIMM hab ich mich mit meinem Bruder getroffen, um unsere Packungen vorzubereiten. Uns wurde schnell bewusst, dass es gar nicht so einfach ist, das richtige Equipment zu wählen. Zum einen sollte es möglichst leicht sein, zum anderen soll man auf über 2000m biwakieren können (inklusive sich selber verpflegen). Da wir beide noch in oder gerade Ende Ausbildung sind wollten wir möglichst wenig in neues Material investieren und mit dem bereits vorhandenen Material auskommen. Mit Erstaunen stellten wir fest, dass wir beide eine Packung von 9-10 kg haben werden (inkl. 2l Trinkwasser). Profipackungen haben ein Gewicht von 4-6 kg und allgemein wird von Bergführern empfohlen, nicht mehr als 10 kg in den Bergen dabei zu haben. Also waren wir an der oberen Grenze, wollten es aber dabei belassen.

Am 12.8.17 trafen wir und die anderen 2 OLG-Chur-Teams (Chris + Adrian, Ursi + Mäse) in Tannheim, dem Wettkampfzentrum ein, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Dazu gehörten Startnummern montieren, Kartenergänzungen (Sperrgebiet, Gefahrenzonen, neue Wege) einzuzeichnen, Kartengrösse optimieren und alles wasserfest einzupacken. So wurde auch die Karte mit Einfassfolie gegen die Nässe geschützt. Eine Information brachte mich zum Nachdenken. Denn es waren die Streckendaten aufgehängt (Tag 1: 20 km / 1700 hm, Tag 2: 25 km / 1400 hm), welche nach meiner Rechnung ca. 76 Leistungskilometer ergeben. Dies bedeutet 11 Leistungskilometer mehr als erwartet. Trotzdem führten wir guten Mutes unsere Vorbereitungen zu Ende. Mit den Flumserbergbahnen ging es zum Start auf dem Prodkamm.

Bei leichtem Regen wurde der erste Tag des SIMM um 10:30 gestartet. Es war empfindlich kalt, was das Einzeichnen der Posten nicht vereinfachte. Man muss die Posten anhand von Koordinaten selber einzeichnen, ausser bei dein Trail-Kategorien, wo die Bahnen bereits aufgedruckt sind. Aufgrund des Regens und der Kälte wollten beide Schreiber, die wir dabei hatten nicht funktionieren. Zum Glück hatten wir etwas Tape dabei, womit wir die Postenstandorte auf der Karte markieren konnten. Leider haben wir dadurch den Anschluss an alle anderen Teams bereits verloren und verliessen den Start als beinahe letztes Team. Nur nach wenigen Metern kämpften wir uns durch Alpenrosen und waren somit von Anfang an komplett durchnässt. Damit war jedoch zu rechnen und auch nicht weiter schlimm. Doch bereits nach Posten 2 verknackte Vivian sein Knöchel und so war von da an nur noch Laufen angesagt. So wie sich das Wetter besserte, besserte sich auch unsere Gebirgs-OL-Technik. Wir haben ein konstantes Tempo gefunden, die Posten wurden sauber angelaufen und es wurden keine zusätzlichen Höhenmeter gemacht. Auf der Strecke hatte es immer mal wieder Kontrollposten die man vor einer gewissen Zeit (Kontrollschluss) passieren musste. Solch ein Posten war die Nr. 7 auf dem Leist. Der Kontrollschluss war mit 14:00 angegeben. Wir passierten ihn um 13:59 und durften so im Rennen verbleiben. Auf dem weiteren Weg Richtung Spitzmeilen sahen wir etwas weiter unten, dass bereits die ersten Zelte aufgestellt waren. Mit viel Leistungswillen und immer mal wieder etwas zu Essen zwischen den Zähnen umrundeten wir den Spitzmeilen und überquerten so kurzeitig die Grenze St.Gallen-Glarus. Sichtlich erleichtert und ziemlich erschöpft erreichten wir das Ziel des ersten Tages nach 7.5 Stunden. Trotzdem konnten wir uns ein Strahlen auf dem Gesicht nicht verkneifen, denn wir haben den ersten Teil unserer Herausforderung erfolgreich gemeistert.

Da wir zu den Letzten gehörten, die im Ziel ankamen, waren wir sehr dankbar, dass unsere Club-Kameraden uns einen Platz reserviert hatten. Schnellst möglich stellten wir unser Zelt auf, wechselten in die warmen Kleider und kochten unser Abendessen mit unserem mitgetragenen Benzinkocher. Wobei wir mit unserem Kocher anfänglich schöne Stichflammen produzierten. Die Stimmung im Camp war gut und es wurde viel gelacht. Das Gesprächsthema Nummer 1 war dabei die mitgetragene Ausrüstung und wie tief die Gewichtsgrenze beim Einhalten der Laufregeln liegt. Auf mehr oder weniger bequemen Schlafunterlagen wurde eine angenehme Nacht verbracht. Es war nicht sonderlich kalt und es fiel auch kein Niederschlag.

Der zweite Tag wurde mit einem kleinen Feuerwerk um 05:45 gestartet. Die 3 kleinen „Böller“ wurden als Wecker im Camp gezündet. Während das Wasser kochte wurde das Zelt abgebaut. Für die Führenden war der Start bereits um 07:00. Die Teams mit weniger als 1 h Rückstand starteten im Jagdstart, der Rest startete um 08:00. Wir haben uns entschieden den Morgen abzuwarten und dann zu entscheiden, ob wir mit dem lädierten Knöchel von Vivian weiter machen sollen oder nicht. Mit einem Stützverband verstärkt kamen wir zum Schluss, dass wir starten wollen und vorzu weiter schauen werden. Unser Tempo war so von Anfang an mässig aber stetig. So stiegen wir wieder bis auf rund 2500 m.ü.M an die Kantonsgrenze auf. Umrundeten bzw. überquerten den Spitzmeilen diesmal von der anderen Seite. Ein Posten nach dem anderen wurde angelaufen. Zwischen durch verpflegten wir uns mit Powerbars und Schoggi und auch getrunken wurde besser als am 1. Tag. An diesem 2. Tag war das Wetter viel besser als am Tag zuvor und wir waren uns einig, dass so der Wettkampf um ein Vielfaches angenehmer sei. Um die Mittagszeit waren unsere Camelbags leer getrunken, konnten aber an einem Brunnen rasch wieder aufgefüllt werden.

Zirka um 13:40 haben wir 13 von 22 Posten absolviert und waren zuversichtlich, das Ziel vor dem Zielschluss um 16 Uhr zu erreichen. Denn zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Höhenmeter absolviert und eigentlich stand uns nur noch der Abstieg nach Tannheim bevor. Da kam mir in den Sinn, dass es Kontrollposten gibt, welche bis zu einer gewissen Zeit zu passieren sind. Ein solcher Posten war die Nr. 14/15 und lag ziemlich abgelegen. Nach einem Blick auf das Postenblatt und die Uhr mussten wir feststellen, dass diese Zeit bereits vorbei war. Durch ein Telefonat an die Laufleitung wurde uns empfohlen, abzubrechen und zum Ziel zurück zu kehren. Einerseits glücklich, anderseits enttäuscht machten wir uns auf den Weg zur Bergstation Maschgenkamm. Glücklich deshalb, weil jemand uns die Entscheidung abgenommen hat, wann unsere Grenzen erreicht sind, enttäuscht, da wir das Ziel nicht erreicht haben. Wobei die Enttäuschung nur kurz anhielt, denn als wir in der Gondelbahn sassen, merkten wir, wie müde unsere Beine eigentlich waren und dass die letzten Kilometer ein sehr zäher Kampf gewesen wären. So wurden wir im WKZ mit aufgegeben klassiert, waren bei Weitem aber nicht die Einzigen, die nicht alles absolvierten. Freudig empfingen uns die anderen OLG-Churer und zeigten Verständnis für den Abbruch und waren froh, dass wir gesund angekommen waren. An der anschliessenden Rangverkündigung wurden die besten 3 Teams aller Kategorien geehrt, wobei gleich 2 von den 3 Churer Teams auf das Podest steigen durften. So gewann Chris + Adrian die Skore-Kategorie und Ursi + Mäse wurden in ihrer Kategorie 2.

Jetzt sitz ich zu Hause und kann kaum mehr gehen vor lauter Muskelkater. Trotzdem bin ich der Meinung, dass der SIMM ein voller Erfolg war. Wir wollten unsere Grenzen ausloten und wir haben sie gefunden. Zudem habe ich die gelaufene Strecke analysiert und stellte fest, dass wir ca. 71 Leistungskilometer bis zum Abbruch absolvierten. Ich bin stolz auf die erbrachte Leistung, vor allem auf die meines Bruders, der sich so gut durchkämpfte, obwohl ihm der Fuss schmerzte. Auch materialtechnisch konnten wir einiges dazu lernen und werden ein nächstes Mal besser und mit leichterem Material vorbereitet sein.

An dieser Stelle möchte ich der OLG Chur danken, dass das Startgeld übernommen wurde. Und gratuliere ganz herzlich den beiden erfolgreichen Teams. Hoffentlich gibt es auch nächstes Mal wieder die Möglichkeit, als Klub an diesem tollen Anlass anzutreten. Denn wir werden sicher wieder einmal an einem SIMM teilnehmen. Die Frage, die sich stellen wird ist, ob es wieder die längste Kategorie sein soll...?

von Philipp Kleger

Ranglisten
Fotos